Ihr seid die Postdemokratie.

vollasitom

Seit drei Wochen habe ich kaum noch Zeit, schon wieder Wahlkampf. Eigentlich war es lange ruhig und diese sogenannten Gates interessierten mich auch nicht mehr. Es ist für meine Inhaltliche Arbeit irrelevant, wenn Piraten-Dieter ak @DarkDieter11!1pppirate einen dummen Pups tut. Was mich als Kommunikationswissenschaftler nur immer wieder wundert, ist mit welcher penetranten Dummheit die Piraten selbst die Sau sind, die sie gerade jeweils durchs Dorf treiben. Mit freundlicher Unterstützung des Bundes deutscher Internettrolle und Hatervereinigungen. Und mit diesen ganzen Gestörten wird dann auch noch allen Ernstes Diskutiert. Als hätten diese Leute auch nur irgendeine Legitimation oder trügen Verantwortung.

Ihr seid die Postdemokratie. Ihr lasst euch eure Meinungen, wie auch eure Agenda, von Skandal-Geiern zusammenspindoktoren. Aufmerksamkeitsgeil und Klick-Süchtig wird in den Medien konsequent weniger von Inhalten, als von Boulevard berichtet. Das ist sehr praktisch, denn auf diese Weise hat fast nichts konkrete Konsequenzen und die Lemminge beschäftigen sich schon nächste Woche mit einem vollkommen anderen Möchtegernskandälchen. Und die Piraten springen jedes Mal drauf an. Ich habe mich schon vor Jahren damit abgefunden, dass es in der Piratenpartei politisch so zugeht, wie es zugehen würde, wenn die Partei nur aus den Schauspielern der Big Bang Theorie bestünde. Naiv, unerfahren, überheblich und unfähig bestimmte einfache Zusammenhänge herzustellen, die für normale Menschen vollkommen selbstverständlich sind.

Es gibt dabei aber manchmal einen Haken. Und der greift dort, wo Politik gefährlich wird.

Ein Beispiel gefällig? Dies sind die aktuellen Morddrohungen:

http://deutschevolksseele.tumblr.com/tagged/Morddrohung

Und dies ist die passende Facebook-Seite zum Thema:

https://www.facebook.com/stadtverbot

Wenn die extreme Rechte im Wahlkampf ganze Schneisen in die Plakatierung schlägt, Häuser und Briefkästen von Parteimitgliedern und sogar Mitgliedern des Bundesvorstandes mit Hakenkreuzen beschmiert oder Pressesprecher verleumdet und diffamiert werden, ist nicht die Zeit der internen Empörung. Es können jederzeit grobe Fehler gemacht werden, die auch einen Rauswurf rechtfertigen könnten. Aber auf meiner Liste, für welche Aktion ich einen meiner Leute im Feuer alleine lassen würde, steht nicht: hat sich VERMUTLICH (betrunken?) Schwachsinn auf die Brüste geschrieben und sich dann Knipsen lassen.

Zum Glück ist unser aktueller Vorstand politisch gefestigt genug, dies ebenso erkannt zu haben:

„Der Bundesvorstand hat gesagt, dass er die Aktion aus Dresden nicht gutheißt. Und er hat sich gleichzeitig vor Anne Helm gestellt, da sie vom rechten Mob beleidigt und bedroht wird.

Piraten müssen sich IMMER schützend vor ALLE Menschen stellen, die vom rechten Mob bedroht werden. Im Falle von Anne ist dies völlig unabhängig davon, ob sie die Person auf dem Bild ist, das durch die Boulevardpresse ging, oder ob sie es nicht ist. Der Bundesvorstand wird sich seine Urteile nicht auf Basis von Gerüchten und Vorurteilen bilden. Besonnenheit ist wichtig – besonders wenn sich gerade mal wieder ein Gate auftut. Auch wenn das Zeit kostet.

Nun hat Anne in einem Interview mit der Jungle-World gesagt, das sie es ist und ihre Gründe genannt. Sicherlich wäre es das Beste gewesen, sie hätte von Anfang an zugegeben, dass sie es ist und wir hätten uns viel Ärger gespart. Dennoch: Anne ist eine langjährigen Streiterin gegen neonazisitische Strömungen und hatte die Protestaktion ganz im Wissen, nicht als Piratin erkannt zu werden, durchgeführt. Sie hat noch einmal klargestellt, dass sie weder die Opfer verhöhnen wollte, noch zu einer antideutschen Strömung gehört. Die provokante Aktion galt alleine den Naziaufmärschen, die in Dresden leider immer unter dem Wahrnehmungsfokus der Medien stattfinden. Die Vermummung und das Leugnen ihrer Identität waren reiner Selbstschutz, denn die Kriminalpolizei hat bereits jetzt in einer Akte das Gefährdungspotential für Anne Helm durch Neonazis festgestellt.

Über das, was sie sich auf den Bauch gepinselt hat, brauche ich nicht viel Worte verlieren. Es ist respektlos. Es vereinfacht einen komplexen Sachverhalt auf ein radikalisierendes Niveau und das lehne ich ab. Nicht nur für diese Aussage, sondern auch als Prinzip des politischen Weges. Wir dürfen nie vergessen, dass wir uns gegen Demagogie (Volksverführung) gestellt haben – dass wir es anders machen wollen. Deshalb bin ich sehr glücklich über Annes Entschuldigung.“

http://vorstand.piratenpartei.de/2014/02/24/wir-brauchen-eine-wertedebatte/

@Anne: Scheissaktion. Das hat Konsequenzen. Aber Du bist immer noch eine von uns!

Und wenn dich einer bedroht, bekommt er es deshalb auch mit uns zu tun.

@BuVo: Richtig gemacht.

@HysterischeTwittersphäre: Twitter ist keine politische Arbeit. Selbst diesen Blogbeitrag zu schreiben und erst recht ihn zu lesen, ist Zeitverschwendung. Es gibt gerade wirklich wichtigeres zu tun. Wenn ihr das nicht begreifen könnt, steht uns wenigstens nicht im Weg. Notfalls: Geht mit Gott, aber geht.

@OrgaTeam: Ihr habt gestreikt? Hab ich gar nicht mitbekommen.

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